Ndondo ist 18 Jahre alt. Im Alter von drei Wochen gab ihre Mutter sie bei der Großmutter ab mit der Begründung, sie könne für das Kind nicht sorgen. Dann verschwand sie wieder in der Großstadt, ohne sich je um das Mädchen zu kümmern.
Ndondo besucht seit Januar die letzte Klasse der Highschool, an deren Ende im November die Matric-Prüfungen stehen. Ein Ziel, das die meisten jungen Menschen erreichen wollen – ist Matric doch die Voraussetzung für eine Berufsausbildung oder bei entsprechender Qualifikation für den Besuch der Universität.
Ndondo wohnt auf dem Land und ist auf Transportmöglichkeiten zur Schule angewiesen. Ihr Tag beginnt um vier Uhr. Der Bus kommt um 5.30. Sie gehört zu den ersten, die in der Schule ankommen. Der Unterricht beginnt um 7.30. Für Schüler der 12. Klasse gibt es an den Highschools täglich zusätzlichen Unterricht von 15 – 17 Uhr. So ist sie frühestens um 17.30 zuhause.
Darüber hinaus ist an mehreren Tagen Abendunterricht von 18 bis 21 Uhr angesagt. „Manchmal frage ich meine Freunde, ob ich bei ihnen schlafen kann“, sagt Ndondo. Sie haben ein Zimmer in der Nähe der Schule gemietet. „Manchmal kann ich einfach nicht mehr daran teilnehmen, weil ich nicht weiß, wie ich nach Hause komme.“ Zum Unterricht am Samstag geht Ndondo zu Fuß. Wochenendunterricht sei besser, dann könne sie von zuhause zu Fuß zur Schule gehen und nachher wieder zurück. Der Weg sei zwar lang, aber dies sei immer noch besser als Abendunterricht.
Auch in allen Ferien ist Unterricht für die „Matriculants“. Ndondo findet das besser, denn dann habe sie abends nicht das Transportproblem. In Schulen auf dem Land werden während der Ferien sogenannte „Camps“ für die“ Matriculants“ durchgeführt. Schülerinnen und Schüler wohnen und lernen dort – no way out! Von Erholung und Chillen keine Spur.

Die Muttersprache der Jugendlichen ist Zulu. Jedoch werden alle Klausuren in den verschiedenen Fächern in Englisch geschrieben. Die Anforderungen im Fach Englisch findet Ndondo schwer, besonders die Interpretation von Shakespeares Dramen wie Macbeth, Romeo und Julia, vor allem „Hamlet“, der in der alten englischen Version gelesen wird.
Durch eine Spende ermöglichen wir nun Ndondo, dass sie wie die anderen Schülerinnen ein Zimmer in der Nähe der Schule beziehen kann. Dann kann sie am Abend- und Wochenendunterricht ohne Sorge teilnehmen – zumindest was den Transport betrifft. Shakespeare, Mathematik, Geschichte und Geographie bereiten mit Sicherheit noch genug Anspannung.
Und Granny Elisabeth ist erleichtert und von Herzen dankbar für diese Hilfe aus Germany!
Text: Edeltraud Parensen
