Newsletter Juni 2026

Liebe Freundinnen und Freunde, Mitglieder und Förderer,

von Anfang März bis Anfang Mai war ich in Südafrika – eine lange Zeit, und doch wie immer zu kurz in Anbetracht vielfältiger Themen und zahlreicher Projektbesuche. Die ersten Wochen im Land fühlten sich mit 30 Grad noch sehr sommerlich an, obwohl der südafrikanische Herbst bereits spürbar sein sollte.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Mitarbeiterinnen des Development Centers und die Schwestern des Holy Childhood Convents in Eshowe, wo ich mein „Basiscamp“ habe, ging es bald nach Mbongolwane zum Kinderheim der Sisters. Dort durfte ich für die 35 Kinder eine Sonderspende von einem großzügigen Sponsor übergeben: ein Trampolin, Material für Fußballtore, Bälle und Spielzeug. Eine Riesenfreude für die Kinder! Es war wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest!

Aktuelle Nähprojekte

Im Nähcenter in Eshowe werden zurzeit sechs neue „Learners“ von Nolwandle unterrichtet. Unter ihnen auch zwei junge Männer sowie eine pensionierte Highschool-Lehrerin. Sie möchte sich für arbeitslose Jugendliche in ihrem Township engagieren und könnte sich Nähkurse vorstellen. Dafür ist noch viel zu tun! Unsere Mitarbeiterinnen können ihr dabei beratend zur Seite stehen. Mr Makhanya, ein sehr qualifizierter Schneidermeister, hat im Mai begonnen, für sechs Monate Aufbaukurse im Nähen sowie spezifische Fortbildung für Trainerinnen anzubieten. Auch wenn Frauen sich qualifiziert haben und gute Arbeit leisten, klagen sie über Einkommensprobleme. Sie nähen z.B. die Schuluniformen rechtzeitig, die Familien bezahlen jedoch oft Monate später – oder können den Betrag nicht aufbringen. Keine einfache Situation!

Aufgrund dieser Problematik werden von den Trainerinnen keine Kursgebühren verlangt. Der monatliche Lohn für Mr Makhanyas Tätigkeit wird aus Spendengeldern finanziert.

Landwirtschaft

Seit 2019 konnten insgesamt 40 junge Frauen und Männer ihr Jahrespraktikum auf dem Demonstrationsfeld des Development Centers absolvieren. Dort werden zurzeit Mangold, Kohl, Salat und Zwiebeln angebaut und an Supermärkte und Straßenmärkte geliefert. Im biologischen Landbau ist viel Handarbeit gefragt! In diesem Jahr sind es fünf Studenten von Agrar Colleges, die von Siboniso Dube angeleitet werden. Er konnte sein Wissen über Biofarming 2024 in Deutschland erweitern. Alle Praktikanten kommen aus bedürftigen Familien. Silindo, einer von ihnen, sagte:

„Ich bin wirklich dankbar, hier in Eshowe mein Praktikum machen zu können. Andere müssen sogar dafür zahlen. Hier können wir auch wohnen und bekommen ein wenig Taschengeld.“

In der Unterkunft der Praktikanten wurden notwendige Renovierungsarbeiten durchgeführt. Eine kleine Küche war dringend notwendig.

Neben der fachlichen Qualifikation ist uns auch ganzheitliche Bildung wichtig. Gesprächsrunden über Lebensfragen und kulturelle Unterschiede haben alle als Wertschätzung erfahren. Nicht zuletzt trugen auch die kleinen Ausflüge am Wochenende dazu bei, denn niemand – weder Mitarbeiter noch Praktikanten – hat ein eigenes Fahrrad oder Auto.

Aufschlussreich war für mich der Besuch im landwirtschaftlichen Fortbildungszentrum „Siyazisiza“, wo die Praktikanten unentgeltlich für mehrere Wochen an Aufbaukursen teilnehmen können. Den Bemühungen unserer Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass wir ab 2025 in ihr Programm aufgenommen wurden.

Besuche der Kindergärten

Besuche bei den Kindergärten in Dumayo und Mbongolwane standen ebenfalls auf dem Programm. Renovierungsarbeiten sind nötig, u.a. weil Termiten Türrahmen zerstört haben. Fußbodenbeläge lösen sich auf, Spielplätze brauchen „Auffrischung“. Die beiden Einrichtungen haben einen guten Ruf. So wurde die Leiterin des Dumayo Kindergartens von der Stammesautorität gebeten, beim Wiederaufbau einer Kita beratend mitzuwirken. In Sbahle’s Creche fand im Mai eine Fortbildung statt für die Erzieherinnen der Kindergärten in der Umgebung. Die Eltern der Kinder in beiden Einrichtungen sind zutiefst dankbar, dass aufgrund der Spenden und Basarerlöse Löhne sowie das Mittagessen für die Kinder finanziert werden können. Die Elternbeiträge können diese Kosten nicht abdecken.

Besucher aus Germany

Anna Ferber und Fabian Mihatsch waren für eine Woche zu Besuch in Eshowe und Umgebung. Von ihren Eindrücken erzählen sie in einem Bericht auf unserer yebo-Homepage.

In Eshowe besuchten Anna und ich auch eine Art „Hinterhof-Kita“. Naomi, eine Flüchtlingsfrau aus Kenia, hat sie in Eigenverantwortung errichtet, nachdem ihr die Räume der vorigen Einrichtung gekündigt worden waren.

„Ich hatte nur einen Monat Zeit. Meine ganze Familie hat mitgeholfen – manchmal von morgens sechs bis Mitternacht.“

Und nun betreut Naomi 25 Kinder auf engem Raum – der Bedarf an Kitas ist groß. Es gibt so viele Kinder! Naomis unglaubliche Kraft und ihr Durchhaltevermögen haben uns tief bewegt!

Eine große Freude war es für mich, in diesem Jahr die junge Parensen-Familie am Flughafen in Durban begrüßen zu dürfen. Zusammen haben wir eine Schule besucht – Kinder finden schnell Kontakt zueinander. Bälle sind Kontaktstifter!

Beeindruckend war für alle der Blick in Klassenräume, in denen 40 – 50 Kinder versammelt sind. Alle tragen einheitliche Schulkleidung. Interessant auch die Geschichte dieser Schule: Als Schule für „Mischlingskinder“ wurde sie zur Zeit der Apartheid gegründet. Weiße Kinder gingen in eine eigene Schule, Zulukinder in andere und indische Kinder mussten täglich weit mit dem Bus in ihre Schule fahren. Heute spielt Hautfarbe keine Rolle mehr. Banner auf dem Schulgelände zeigen, was heute im Miteinander wichtig ist: RESPECT – KINDNESS – SERVICE – EMPATHIE – RESILIENCE.

Nach zwei intensiven Monaten mit zahlreichen Begegnungen, mit Perlensternen für die Adventszeit und vielen herzlichen Dankesgrüßen an die yebo-Freunde in Germany trat ich Anfang Mai die Rückreise zusammen mit einer deutschen 89-jährigen Schwester aus dem Convent Eshowe, die zum Heimaturlaub nach Deutschland flog, an.

In Dankbarkeit, dass mir auch in diesem Jahr der Besuch möglich war, und für alle Verbundenheit in dieser Zeit grüße ich Sie herzlich!

Edeltraud Parensen